PX oder das Cacna2d3 Gen

Veröffentlicht am 8. Dezember 2022 um 10:15

PX oder der Defekt auf dem Cacna2d3

 

Im Gegensatz zu den anderen Defekten, spricht man beim PX nicht von einer Myopathie. Man verbindet mit diesem Defekt eine Spannungsstörung von Calciumkanälen. Diese spannungsgesteuerten Calciumkanäle sind in jeder erregbaren Zelle vorhanden und essentiell wichtig für deren Funktion. In der Forschung wird hier noch in Klassen und Untergruppen eingeteilt. Auch zeigen sich Hinweise, dass es Einfluss auf andere Ionenkanäle gibt.

 

Cacna2d3 wird als betroffenes Gen bei der Autismus-Spektrum-Störung mit angegeben und an der Uni Saarland gib es eine aktuelle Publikation zur möglichen Wahrnehmungsveränderung beim Gehör.

 

Nun ist Autismus ein weit gefächertes Feld, mit vielen Varianten und sehr unterschiedlichen Ausprägungen.

 

In meiner Arbeit mit PSSM2 Pferden wird aber gerade das PX Pferd von vielen Pferdebesitzern als „Autist“ beschrieben.

 

Dabei gibt es nach aussen hin zwei vorrangige Wahrnehmungen:

 

  1. Das völlig in sich gekehrte Pferd, ruhig und schon fast lustlos. Wirkt an seiner Umwelt nicht interessiert und hat teilnahmslose Züge. Vom Reiter eher als zäh beschrieben wird.
  2. Dem entgegen das überreagierende Pferd, was mit veränderten Situationen schwer umgehen kann. Stress ein starker Auslöser für spontanes und nicht kalkulierbares Handeln sich zeigt. Vom Reiter oft als leistungsbereit und auch leistungsstark bezeichnet, was aber durch plötzliche Veränderungen explosiv werden kann.

 

Beide Gruppen haben eine hohe Anfälligkeit für Magen- und Darmprobleme.

 

Fütterung:

Es hat sich gezeigt, dass eine Fütterung mit wenig Stärke/ Zucker und Fruktan hier einen positiven Einfluss auf die Pferde hat. Gerade PX Pferde reagieren häufig auf geringste Mengen Hafer. Da hier eine Verbindung zu den Calciumkanälen gibt, liegt es nahe eine calciumarme Ernährung anzustreben. Hier sollte aber auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Pferde nicht aus Angst unterversorgt werden. Calcium ist ein wichtiger Versorgungsbestandteil im Stoffwechsel. Die Versorgung mit Magneisum, Mangan und Vitamin B lockert die Muskulatur und beeinträchtig die Wahrnehmung ( zB Übererregbarkeit). Ob es sinnvoll ist, hier mit weiteren Nahrungsergänzungen zu arbeiten, muss im Einzelfall geschaut werden.

 

Haltung/ Training:

Für die PX Pferde ist dies ein wirklich wichtiger Bestandteil, den jeder Besitzer und auch Trainer berücksichtigen sollte. Warum? Äußere erregbare Einflüsse auf die spannungsgesteuerten Calciumkanälen kann zu einer Reaktion in den spannungsgesteuerten Zellen führen.

 

Die Pferde profitieren von einem gleichbleibenden und geregelten Tages- und Trainingsablauf.

 

  • regelmäßige, gleichbleibende Fütterungszeiten
  • nicht häufig wechselndes Personal
  • stabile Herde, wobei die Größe dann nicht so ausschlaggebend ist
  • tägl. Bewegung bzw. positive Interkation mit dem Pferd
  • neue Trainingsideen langsamer ranführen
  • das sogenannte „Drüberreiten“ nicht forcieren
  • das sogenannte „Aussacken“ nicht forcieren
  • ein ruhige Trainingsumfeld anbieten
  • Trainingseinheiten so aufbauen, dass sich das Pferd sicher fühlt (zB immer gleichbleibende Anfangsrituale)

 

Wenn äußere Einflüsse nicht abgestellt werden können, sollte man auch ein Umzug in Betracht ziehen. Gut vorbereitet ist so ein Umzug, mit all seinem Stress, oft das kleinere Übel.

 

 

https://www.uni-saarland.de/intern/news/gehoer-autismus-25131.html

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6249638/

 

https://www.unimedizin-mainz.de/humangenetik/diagnostik/gen-panels-und-einzelgendiagnostik/autismus.html

 

https://molecularbrain.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13041-020-00634-0

 

 

 


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